Vortrag: Jüdische Erfahrungen in Film und Fernsehen der DDR
Seit 1946 waren die sog. Antifaschismus-Filme ein fester Posten im Spielplan der Kinos der Sowjetischen Besatzungszone und schließlich der DDR, ab 1952 im Programm des DDR-Fernsehens. Anfangs sollten sie die postnationalsozialistische Gesellschaft erziehen helfen, mit der Zeit wurden sie zu Repräsentationsmitteln des Staates. Sie dienten der Selbstverständigung von Filmemachern und Publikum, sie waren Erinnerungsarbeit an deutscher Vergangenheit und gleichzeitig Instrumente offizieller Geschichts- und Vergangenheitspolitik. Die Mehrzahl an Antifaschismus-Filmen beschäftigte sich mit dem kommunistischen Widerstand, aber im Genre wurden auch die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit verhandelt sowie Themen wie Antisemitismus, Exil, jüdischer Widerstand und jüdisches Leben nach 1945.
Die in der DDR gängige Verknüpfung von Antifaschismus und jüdischen Erfahrungen, auch im Film, führt bis heute zu Missverständnissen und Diskussionen. Der Vortrag geht in einer kritischen Retrospektive der Frage nach, welche Bilder von Jüdinnen, Juden und jüdischen Erfahrungen im ostdeutschen Spiel- und Fernsehfilm zu sehen waren, wirft dabei auch einen Blick hinter die Kamera und lotet das Spannungsfeld zwischen politischem Auftrag und persönlicher Motivation der Filmemacher aus.
Dr. Lisa Schoß ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und forscht an der Schnittstelle von Jüdischen Studien und audiovisueller Zeitgeschichte.
In Kooperation mit den ACHAVA Festspielen Thüringen. Der Eintritt ist kostenfrei.